Bis zu 16 Stunden 'hängen' manche junge Leute – meistens Männer - am PC und sind mit Online-Spielen beschäftigt. Da wird Essen und Trinken unwichtig, soziale Kontakte verkümmern, das Leben dreht sich um den 'Avatar', das selbst erfundene neue Ich. Wenn dann der Zugang zum PC wegfällt, kommt dies einer persönlichen Katastrophe gleich, die zu Selbst- und Fremdgefährdung führen kann.

Am 6. Juni 2013 fand am ASBK eine Fortbildungsveranstaltung mit Herrn Dr. te Wildt von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum statt, bei der es um die Arbeit der Medienambulanz der Klinik ging, in der Medienabhängige ab 18 Jahren gruppentherapeutisch behandelt werden.

Interessant ist das Thema für unser Berufskolleg in zweifacher Hinsicht:
- Die Thematik betrifft viele unserer 2600 Schüler und Schülerinnen und ist deshalb auch wichtig in der Arbeit der Beratung.
- Medienabhängigkeit als moderne Form einer Sucht sollte auch Bestandteil des Unterrichts in erziehungs- und gesundheitswissenschaftlichen Fächern sein.

SchülerInnen sind dauernd online, sie berichten, dass sie nachts nicht mehr schlafen können, weil sie Angst haben, im sozialen Netzwerk etwas zu versäumen. Im Unterricht können sie sich kaum von ihrem Smartphone trennen und können sich nicht konzentrieren – ist das nicht krankhaft?

Herr te Wildt berichtete, dass eine facebook-Abhängigkeit kaum bekannt ist, da die 'Freunde' - wie viele es auch sein mögen - stets analoger Gestalt sind und der Zugang übers Smartphone prinzipiell überall möglich ist, so dass eine soziale Isolierung nur selten vorliegt. Die Kriterien für den Krankheitswert eines Verhaltens sind sehr klar gefasst. Der Umgang mit diesen Verhaltensweisen kann deshalb keine medizinisch-therapeutischer, sondern nur ein pädagogischer sein: Die Lehrerinnen und Lehrer sind hier gefragt!

Diskutiert wurden aber auch positive Aspekte und Möglichkeiten der Einbeziehung der neuen Medien in den Unterricht.

Vereinbart wurde mit Herrn Dr. te Wildt eine Kooperation in Bezug auf seine Forschungsarbeit, hier ist er sehr an einer begrenzten Studie im Umfeld unserer Schule interessiert. Für unser Berufskolleg ist der Kontakt wichtig in Bezug auf die Arbeit der Beratung, die nun leichter Zugang zur Medienambulanz findet, aber auch für medienpädagogische Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer. Konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit können sein:

- Informationsveranstaltungen zum Thema Medienabhängigkeit für SchülerInnen
- Lehrerfortbildungen
- Medienambulanz als Anlaufstelle für Projektarbeiten