Zeitgeschichte und HeimatkrimiKster_Lesung_klein

Wie abwechslungsreich Literatur sein kann, erfuhren die Schüler des Alice-Salomon-Berufskollegs bei einer Lesung des Bochumer Autors Rainer Küster am 18. März. Auf Einladung der Fachschaft Deutsch trafen sich Schüler und Kollegen in der vollbesetzten Pausenhalle zum zweiten „Literarischen Café". Letztes Jahr waren „Oskar" Gölzenleuchter und Friedrich Grotjahn zu Gast.

Dunkle Heimatgeschichte

Zuerst las Küster ein Kapitel aus seinem Buch „Bochumer Häuser". Dort schildert er, wie er mit einer Schulklasse das ehemalige Vernichtungslager Majdanek in Polen besuchte. Ein Schüler deutete damals aufgeregt auf das Portrait einer Aufseherin und rief: „Die habe ich gestern noch in Bochum-Linden" gesehen. Und tatsächlich handelte es sich um Hermine Braunsteiner-Ryan, die nach der Entlassung aus der Haft ihren Lebensabend in Bochum verbrachte. Küster machte sich auf die Suche, die Spuren der Aufseherin in Bochum zu entdecken. Er besuchte das Haus, in dem sie lebte und erforschte die Geschichte dieses Bochumer Hauses. Wie nahe, auf eine Art banal und doch furchtbar zugleich das Grauen der NS-Vergangenheit sein kann - das spürten auch unsere Schüler bei Küsters Lesung. Still und nachdenklich folgten sie der Erzählung. Verknüpfungen zum Unterricht konnten sie auch entdecken: Die Geschichte von Braunsteiner-Ryan - der „Stute von Majdanek" - verarbeitete der Schriftsteller Bernhard Schlink in seinem Roman „Der Vorleser". Viele Klassen lesen diesen Roman derzeit im Deutschunterricht.

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Während der Lesung zeigte der Bochumer Künstler Thomas Zehnter - als Kunstlehrer am ASBK tätig - ein elektronisches Bild, welches sich langsam zu voller Größe entfaltete. Zehnter hat auch das gesamte Buch illustriert.

 

Ein Krimi im Fußballmilieu

Ganz anders der zweite Teil der Lesung. Küster las aus dem Krimi „Drachentod", den er gemeinsam mit Rüdiger Schneider geschrieben hat. Mitten im Fußballmilieu, in derber Sprache verfasst - typisch Ruhrpott eben. Eine rätselhafte Mordserie an Fußballfans wird aufgeklärt. Und nebenbei erfährt man, wie vielschichtig das Leben im Pott sein kann.

Alles in allem ein kontrastreicher Nachmittag. So kontrastreich, wie Literatur eben ist - oder sein sollte.