Aktuelles

Unsere Maschine ging am 17. Februar um 15:35Uhr vom Flughafen in Düsseldorf und nahm ihren Kurs Richtung Schottland im Vereinigten Königreich.
An Bord saßen wir, zehn Schüler des Alice-Salomon-Berufskollegs Bochum. Je ein Koch in Ausbildung, eine Bäckerin, eine Friseurin, zwei angehende Sozialassistenten und fünf Hotelfachfrauen und -männer  im zweiten/dritten Ausbildungsjahr.
Wir waren auf dem Weg nach Edinburgh, wo wir im Rahmen des Erasmus-Programms alle ein zehntägiges Praktikum in einem lokalen Betrieb aus der jeweiligen Branche absolvieren würden. Die Kontakte hatten unsere Lehrerinnen und Lehrer hergestellt.
Wir Auszubildende absolvierten unsere „placements“ unter anderem in der Cherryroad Tagespflege für Menschen mit Behinderung, in zwei Hotels der Marke Ibis, im MacDonald Hollyrood Hotel, dem Friseursalon Toni & Guys und dem Edinburgh College. Aber auch das mehrfach ausgezeichnete Balmoral Hotel und die lokal prominente Bäckerei Mimi`s Bakehouse stellten Praktikumsplätze zur Verfügung.
Schnell war uns klar: Die ungewohnte Sprache, erschwert noch zu verstehen durch den schottischen Dialekt, war nicht das einzige Hindernis, das es zu überwinden galt. Wir haben gelernt, wie man in Schottland Bus bzw. Bahn fährt, um die bis zu anderthalb Stunden entfernten Betriebe zu erreichen.
Wir haben uns in neue Betriebsabläufe eingewöhnt, wobei uns aufgefallen ist, dass wir häufig für kleine Aufgaben eingesetzt wurden und das mit intensiver Anleitung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die meisten Schotten nach ihrer abgeschlossenen Schulausbildung entweder studieren oder direkt ins Arbeitsleben einsteigen. Eine duale Ausbildung wie in Deutschland gibt es nicht. Aber überall wurde schnell anerkannt, dass wir einige Kenntnisse aus unserer Berufsausbildung mitgebracht haben und einbringen konnten. Am Ende erhielten wir großartige Rückmeldungen und Empfehlungsschreiben.
Was uns sehr beeindruckt hat ist die allgemeine Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Verständigungsbereitschaft der Edinburgher. Dies sorgte dafür, dass wir uns schnell wohl und akzeptiert fühlten. 
Neben den Praktika organisierte die Firma Confluence Scotland Language Services das Rahmenprogramm: Sprach-Workshops und Sightseeing-Touren zu umliegenden Sehenswürdigkeiten wie den Ruinen von Tantallon Castle oder der Glenkinchie Whisky Destillerie.
Auch mehrere Besuche der Altstadt von Edinburgh standen auf dem Programm.
Untergebracht waren wir im Wohnheim des Edinburgh Colleges Milton Road Campus. Dort organisierten wir unseren Gruppenalltag: Einkauf, das Kochen, die Wäsche und gemeinsame Freizeitaktivitäten – alles selbstständig und demokratisch.
Dazu standen uns ein 24h-Supermarkt in der Nähe, eine Küche sowie Waschmaschinen und Trockner in der Unterkunft zur Verfügung. Auch das Gym und den Pool im Clubhouse auf dem Campus durften wir nutzen.
Zur Erholung lud der zehn Minuten Fußweg entfernte Strand von Portobello ein. Gerade an den vielen ungewöhnlich sonnigen Tagen der ersten beiden Wochen konnte man den Strand zum Joggen oder Spazierengehen nutzen.
Eine Entdeckung waren die nahegelegenen Charity Shops, die kleinen Cafes und Restaurants. Hier konnte man nicht nur günstig einkaufen oder gemütlich beisammen sitzen, sondern auch Kontakte knüpfen zur schottischen Bevölkerung. Eine gute Gelegenheit Englisch zu sprechen und die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern.
Am Ende der drei Wochen sind wir uns einig: Es hat sich gelohnt!
Für Dominik (26, Sozialassistent) hat sich mit der Schottlandreise ein kleiner Traum erfüllt. Delia (20, Hotelfachfrau) hat Freundschaften geschlossen, die über Landesgrenzen hinaus bestehen bleiben. Ich (21, Sozialassistent) habe neue Ansätze und Inspiration für meine spätere Laufbahn gewonnen.
Wir sagen vielen Dank und Cheers! :)

Zwölf Studierende des Alice-Salomon-Berufskollegs nahmen im Rahmen der (berufsbegleitenden) Ausbildungsform zur/zum staatlich anerkannten ErzieherIn mit viel Begeisterung und Engagement an dem Einführungskurs Systemische Interaktionstherapie (SIT) teil.
Durch die angenehme Darstellung der beiden Seminarleiter Thekla und Frank und der Erarbeitung der Sachverhalte haben wir den Kurs sehr genossen.
Die Intention hinter SIT ist es, den Kindern und Jugendlichen eine optimale Förderung durch ihr familiäres Umfeld zu bieten, indem man die Eltern dazu befähigt, selbstwirksam zu werden. Durch gezielte Methoden, regelmäßige Termine und das Einüben von Gesprächen durch „Rollenspiele“, geleitet man sie von Problemen und Druck zu Lösungsansätzen, indem man spezifisch die eigene, als auch die Haltung der Eltern trainiert. 
Durch das Einspüren in verschiedene Rollen, was uns anfangs schwer fiel, wurde das Seminar sehr lebendig und praxisnah gestaltet.
Abschließend wollen wir Frank und Thekla, den Leitern der Fortbildung und dem ASBK für die Möglichkeit danken, dass wir an diesem Seminar teilnehmen durften.
Costel, Daniela, Gabi, Gerti, Hamze, Maike, Michaela, Michelle, Nicole, Patricia, Stefan und Tim

Originalartikel: https://www.welt.de/regionales/nrw/article190183687/Schulen-mit-Talent.html?wtrid=socialmedia.email.sharebutton

12.03.2019

Von Stefan Laurin
 

Vom kommenden Schuljahr an werden in NRW 35 Schulen besonders gefördert. Die Landesregierung sieht darin einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit, die Opposition eine unzureichende Alibimaßnahme. Eine Schule in Bochum zeigt, wie es gehen könnte.

Auch während des Unterrichts ist in der Pausenhalle viel los: Schüler stehen in kleinen Gruppen beieinander, es gibt ein Café, alles hier ist hell und freundlich. Man sieht dem Alice-Salomon-Berufskolleg in Bochum nicht an, dass es eine Schule ist, die besondere soziale Herausforderungen zu bewältigen hat, wie es korrekt heißt. Von den über 2500 Schülern müssen 750, darunter viele Flüchtlinge, erst einmal so fit gemacht werden, dass sie überhaupt eine schulische Ausbildung beginnen können. Man kann an dem Kolleg aber auch Abitur oder Fachabitur ablegen. Und auf Berufe wie etwa den Fitnessassistenten werden die Schüler hier ebenfalls vorbereitet. So gemischt die Schüler sind, so vielseitig ist die Schule, die sie alle gemeinsam besuchen.

Dieses Bochumer Berufskolleg ist eine von 35 Bildungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, die vom kommenden Schuljahr an besonders unterstützt werden. Denn es wurde vom Land als sogenannte Talentschule ausgewählt. Die Talentschulen sind ein bildungspolitisches Projekt der schwarz-gelben Landesregierung, über das CDU und FDP besonders gerne sprechen. Es ist ein auf sechs Jahre angelegter Schulversuch. Die Idee: Schulen mit besonderen Problemen benötigen mehr Lehrerstellen und mehr Geld als Schulen in sozial bessergestellten Stadtteilen.

Schon heute erhalten Schulen in Problemvierteln, von denen es über 1000 in NRW gibt, rund 2800 Lehrerstellen zusätzlich. Das Projekt Talentschulen geht aber weiter und schafft mehr als 400 zusätzliche Stellen. 315 von ihnen werden allgemeinbildende Schulen erhalten, 100 gehen an Berufsschulen. 35 Schulen nehmen ab dem kommenden Schuljahr an dem Versuch teil, zum Beginn des Schuljahres 2020/21 werden weitere 25 Schulen dazukommen. Viele neue Stellen also für wenige Schulen.

Allein für die ersten 35 Talentschulen hatten sich 149 Schulen beworben. 22 der ausgewählten Schulen liegen im Ruhrgebiet, dem Landesteil mit den größten sozialen Problemen. Das Ministerium beauftragte eine Expertenjury mit der Auswahl der ersten 35 Talentschulen. Die Jury habe, so heißt es aus dem Schulministerium, unabhängig gearbeitet und ihre Auswahlentscheidungen auf der Grundlage der Bewerbungsunterlagen und von Daten zum Sozialraum getroffen.

Deutsche und Syrer lernen zusammen

Wahrscheinlich acht zusätzliche Stellen wird Johannes Kohtz-Cavlak, der Schulleiter des Alice-Salomon-Kollegs, bekommen. „Wir erhalten die Förderung für den Bereich unserer Schule, in dem wir Jugendliche auf einen Ausbildungsplatz vorbereiten.“ Als er und seine Kollegen von dem Projekt Talentschule erfuhren, war ihnen sofort klar, dass sie sich bewerben wollen: „Es klang wie für uns gemacht.“ Denn das Berufskolleg ist eine engagierte Schule, die mit den Jugendlichen über alle Grenzen hinweg arbeitet. In gemeinsamen Projekten kommen deutsche und syrische Schüler zusammen, arbeiten ehemalige Förderschüler gemeinsam mit angehenden Abiturienten. Man ist hier stolz darauf, wie sich ehemalige Schüler entwickelt haben; wie es der Schule gelang, des Deutschen unkundige Flüchtlinge zum Abitur und sogar zum Studium zu führen; und wie es immer wieder gelingt, Schüler in wenigen Jahren fit für den Ausbildungsmarkt zu machen.

Mit den neuen Stellen wird die Schule ihre Arbeit weiter verbessern können, da ist sich Kohtz-Cavlak sicher. Aber nicht alle acht Stellen werden Lehrerstellen sein: „Wir werden auch einen Systemadministrator einstellen, um unser Schulnetzwerk zu verbessern.“ Der Träger der Schule, die Stadt Bochum, habe sich außerdem verpflichtet, in die IT des Berufskollegs zu investieren.

Die Opposition sieht die Pläne der Landesregierung kritisch. Sie gehen ihr nicht weit genug. Jochen Ott, der schulpolitische Sprecher der SPD im Landtag, begrüßt dabei generell das Konzept der Talentschule: „Ich halte die Grundidee, dass man Schulen mit besonderen Herausforderungen unterstützt, für richtig.“ Was Ott kritisiert, ist, dass die Landesregierung die Idee der Talentschule erst einmal an wenigen Schulen testen will: „Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem. Was die Landesregierung da auf den Weg gebracht hat, ist ein Alibimodell“, sagt er.

Ginge es nach der SPD, würden alle Schulen, die in Stadtteilen mit sozialen Problemen liegen, ein Anrecht auf eine besondere Förderung bekommen. Ott verweist auf Hamburg und Berlin, wo es solche Regelungen bereits gibt und entsprechende Listen erstellt wurden. „In Hamburg haben solche Schulen kleinere Klassen. Statt 23 sind dort in den Klassen nur 19 Schüler.“ Ein weiteres Problem sieht Ott darin, dass sich auch Schulen, die für das Konzept der Landesregierung infrage gekommen wären, nicht beworben haben: „Ich weiß von Schulen in Mönchengladbach, die sich nicht um eine Teilnahme beworben haben, weil sie Sorgen um ihren Ruf hatten.“ Talentschule zu sein bedeutet eben, öffentlich zuzugeben, dass man Probleme hat und Hilfe braucht.

Der Siegener Erziehungswissenschaftler Matthias Trautmann hingegen begrüßt, dass es sich bei den Talentschulen um einen begrenzten Versuch mit wissenschaftlicher Begleitung handelt. „Es ist richtig, dass Schulen mit unterschiedlichen Problemlagen auch unterschiedlich behandelt werden“, sagt er. Ideal wäre natürlich, wenn mehr, ja, alle Schulen mit besonderen Herausforderungen gefördert würden: „Natürlich kann man das auch mit 300 oder 1000 Schulen machen, aber da redet dann ja auch der Finanzminister mit. Wenn man nicht mehr Geld hat, hat man nicht mehr Geld.“ Probleme sieht Trautmann aber auch. Zum einen würde ein Teil der neuen Stellen durch Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben aufgefressen, zum anderen sei nicht klar, woher die neuen Lehrer überhaupt kommen sollen: „Gerade in Fächern wie Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, die ja besonders gefördert werden sollen, fehlen heute schon Lehrer.“

Talentschule für alle wäre unbezahlbar

Zudem sei es wichtig, nicht nur die ausgewählten Schulen zu beobachten, sondern auch die Einrichtungen in ihrer Nachbarschaft: „Wie wirkt sich das auf die Schulen in der Umgebung aus? Was passiert an den anderen Schulen? Schicken engagierte Eltern künftig ihre Kinder auf die Talentschulen und ändern so die Zusammensetzung der Schüler? Das sind alles wichtige und spannende Fragen“, sagt der Experte.

Bildungsstaatssekretär Mathias Richter (FDP) sieht das Problem bei der Auswahl der Schulen ebenfalls, verweist aber auf die Zukunft: „Noch können wir nicht alle Schulen zu Talentschulen machen, weil wir in einen Schulversuch nur eine begrenzte Anzahl von Schulen aufnehmen können. Uns war wichtig, bei der Auswahl der Talentschulen für größtmögliche Neutralität zu sorgen, deshalb haben wir das Auswahlverfahren in die Hände einer unabhängigen Jury gelegt. Unser Ziel ist, die positiven Erkenntnisse aus dem Schulversuch Schritt für Schritt auf alle Schulen in NRW zu übertragen.“

Von denen gibt es allerdings viele: Insgesamt kommt Nordrhein-Westfalen auf 1885 weiterführende und 396 Berufsschulen. Dazu kommen 2787 Grundschulen, die nicht Teil des Projekts Talentschule sind. Sie alle so zu unterstützen wie die ausgewählten Talentschulen käme das Land teuer. Das bedeutete viele Tausend neue Lehrerstellen und Kosten in Milliardenhöhe.